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Historisches

Sportverein Halle Gestern und Heute
- alte und neue Herausforderungen -

Als in der zweiten Hälfte der 50-er Jahre aus der Fusion des SC Wissenschaft Halle und des SC Chemie Halle-Leuna am 30. Juni 1958 der Sportclub Chemie Halle entstand, hatte sich auf dem Gebiet der DDR  offensichtlich die Auffassung durchgesetzt, dass  mit Mitteln des Sports, insbesondere des Leistungssports, die innen- und außenpolitische  Anerkennung der DDR schneller und besser erreichbar ist.

Der SC Chemie Halle war somit zwischen 1958 und 1989 ein ausschließlich durch den Leistungssport (Spitzen- und Nachwuchsleistungssport) geprägter Verein. Ab 1990 wandelten sich Struktur und Erscheinungsbild des Vereins grundsätzlich.
Vieles aus der 50-jährigen Geschichte des Vereins ist bewahrenswert, manches überdenkenswert und einiges muß auch verworfen werden. Unstrittig ist dennoch, dass es immer die Menschen waren - Sportlerinnen, Sportler, Trainer, Funktionäre, Lehrer... - , die nach bestem Wissen und Gewissen versucht haben, wichtige Werte des Sports zu verwirklichen.

Die Entwicklung des Vereins vollzog sich in drei Abschnitten:

Der erste Abschnitt - von 1958 bis 1968 - hatte seine bestimmenden Merkmale in der zunehmenden Durchsetzung nationaler und  vor allem internationaler leistungssportlicher Ziele. Die erste Weltmeisterin des SC Chemie war im Jahre 1959 die Keglerin Hannelore Cebulla.  In diesem Abschnitt gewannen Sportlerinnen und Sportler des SC Chemie Hallebei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften 3 Gold, 16Silber- und 20 Bronze-medaillen. Die Leichtathletin Ulla Donath erlief sich und dem SC Chemie Halle 1960 zu den Spielen der XVII. Olympiade in Rom mit Bronze über 800m die erste olympische Medaille. Sportlerinnen und Sportler, wie die Leichtathleten Walter Meier, Lothar Milde, Maritta Lange, der Boxer Rolf Caroli, der Moderne Fünfkämpfer Uwe Adler u.a. prägten diesen Abschnitt, in dem Karl-Heinz Lehmann und Gerhard Colditz als Clubvorsitzende die Geschicke des SC Chemie lenkten.

Der zweite Abschnitt - von 1969 bis 1989 - begann, als im Ergebnis deutlicher gesellschaftlicher Veränderungen in der DDR ein größerer Teil von Sportarten aus dem Sportclub ausgegliedert (u.a. Basketball, Wasserball, Reiten) und in der staatlichen Förderung zurückgestellt wurde. Andere Sportarten, wie Kegeln, Schach, Fußball und Moderner Fünfkampf waren schon vorher aus dem SC Chemie Halle ausgeschieden. Kriterien für den Verbleib der Sportarten im Sportclub waren ihre internationale Leistungsfähigkeit, die zu erwartende olympische Entwicklung, die Medaillenaussichten  sowie der erforderliche Aufwand zur Erfüllung der zentral vorgegebenen internationalen Leistungszielstellungen bei Olympischen Spielen, welt- und Europameisterschaften.

Diesen Grundforderungen hatten sich die Kinder- und Jugendsportschulen (in Halle schon 1955 gegründet), der Sportstättenbetrieb, die Sportler, Trainer und Funktionäre des SC Chemie und die zuständigen politischen Verantwortungsträger zu stellen. In den ab 1969 folgenden 20 Jahren hat der SC Chemie eine deutliche leistungssportliche Aufwärtsentwicklung genommen, die sich in 63 Gold-, 57 Silber- und 56 Bronzemedaillen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften widerspiegelte. Kaum zu zählen waren die Siege und Medaillen der Jugend und Junioren bei internationalen Meisterschaften und Meisterschaften der DDR.

Die grün-weißen Farben des SC Chemie Halle erlangten Weltruhm. Sport- und Vereinsgeschichte schrieben in dieser Zeit die vierfache Olympiasiegerin und vielfache Welt- und Europameisterin im Schwimmen Kornelia Ender-Grummt, der Doppel-Olympiasieger in der Leichtathletik Waldemar Cierpinski, der Doppel-Olympiasieger und vielfache Weltmeister im Rudern Thomas Lange sowie weitere Olympiasieger, Welt- und Europameister.  
                                                                                                    
Dank der Arbeit und dem Können hervorragender Trainer entwickelten sich Athleten, die in ihren Sportarten das Weltniveau bestimmten. Diesen wichtigen Zeitabschnitt leiteten als Vorsitzende des SC Chemie Halle der verdienstvolle Ewald Meyer bis 1985 und anschließend Prof. Dr. Klaus-Dieter Malzahn. Es wurden wichtige Kapitel der Clubgeschichte geschrieben und dazu beigetragen, die Olympische Idee und den völkerverbindenden Gedanken des Sports zu verwirklichen.

Der dritte Abschnitt - ab 1990 - wurde durch grundlegende gesellschaftliche Veränderungen auf dem Gebiet der damaligen DDR eingeleitet. Das bisherige System des Leistungssports wurde aufgehoben, veränderte oder gänzlich neue Werte bestimmten ab dieser Zeit den Leistungssport, der sich völlig neu orientieren und formieren musste.       
Am 20. Juli 1990 gründete sich der Sportverein Halle e. V. als Nachfolger des SC Chemie Halle neu. Aus dem bisher ausschließlich leistungssportlich geprägten Sportclub mit zuletzt ca. 700 Sportlerinnen und Sportlern und knapp über 200 hauptamtlich tätigen Trainern, Arbeitern und Angestellten sowie Sportfunktionären entwickelte sich bis heute ein Großverein mit knapp 3.500 Mitgliedern, der ehrenamtlich geführt wird.

Satzungsgemäß fühlt er sich vor allem der Stadt und Region Halle verbunden und betrachtet es als Verpflichtung, durch Spitzenleistungen seiner Sportlerinnen und Sportler zum Ansehen seiner Heimatstadt und der Region beizutragen. Grundlage dafür ist ein im sportlichen Leben des Vereins praktiziertes ausgewogenes Verhältnis zwischen Breiten-, Freizeit- und Gesundheitssport sowie leistungssportlicher Orientierung. Hochqualifizierte Trainer und Übungsleiter bieten in 16 Sportarten bzw. Gliederungen für Sportinteressierte vielfältige Formen der sportlichen Betätigung an. Kurse und Übungsstunden des Senioren-, Behinderten- und Rehabilitationsports sowie Fitnesskurse komplettieren das große sportliche Spektrum des SV Halle. Inzwischen sind fast alle der ehemals ausgegliederten Sportarten, wie z.B. Basketball, Volleyball, Moderner Fünfkampf und Wasserball in den Verein zurückgekehrt und neue Sportarten, wie Triathlon, Judo und der Behindertensport haben ihren Platz im Verein gefunden.

Mit Unterstützung und Förderung durch den Landessportbund Sachen-Anhalt, den Olympiastützpunkt Sachsen-Anhalt, das Sportgymnasium Halle und die Sportsekundarschule Halle, das Land Sachsen-Anhalt, die Stadt Halle sowie die Sportstiftungen des Landes Sachsen-Anhalt und der Region Halle gewannen Sportlerinnen und Sportler des SV Halle in der Zeit von 1990 bis zum Jahr 2011 bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften 51Gold-, 45 Silber- und 52Bronzemedaillen.

Im Nachwuchsbereich konnten bei Welt- und Europameisterschaften ähnlich herausragende Ergebnisse erreicht werden. Allein seit 1979 wurden 31 Goldmedaillen, 38 Silbermedaillen und 38 Bronzemedaillen in den internationalen Arenen erkämpft. Im gleichen Zeitraum erreichten 658 Sportlerinnen und Sportler den Titel eines Deutschen Meisters im Nachwuchsleistungs-sport.

Herausragende Persönlichkeiten wie die Ruderer Thomas Lange, Andreas Hajek und Jana Thieme und die Leichtathletin Silke Renk-Lange, haben mit ihren Olympiasiegen ebenso dieses hervorragende Ergebnis gestaltet, wie die Wasserspringer Andreas Wels und Katja Dieckow, die Leichtathletin Uta Rohländer-Fromm, die Schwimmer Stefan Pohl, Torsten Spanneberg, Paul Biedermann und Daniela Schreiber, die Boxer Zoltan Lunka und Steffen Kretschmann, die Ruderer Christian Schreiber, Florian Eichner und Philip Naruhn, der Ringer Sven Thiele, die Judoka Heide Wollert und Claudia und Luise  Malzahn, der Turner Mathias Fahrig und viele andere.
Als erster Präsident des Vereins übernahm 1990 Dr. Peter Renger die ehrenamtliche Leitung, ihm folgte von 1991 bis 1996 Wolfgang Kleine und seit dem ist Dr. Christoph Bergner Präsident des Sportvereins. 

Autor:
Prof. Dr. habil. Kl.-D Malzahn
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